Dissoziationen

Einführung


Dissoziative Störungen sind psychische Erkrankungen, bei denen normalerweise zusammenhängende Funktionen der Psyche vorübergehend auseinanderfallen – das betrifft Bewusstsein, Gedächtnis, Identität oder Wahrnehmung der eigenen Person und Umwelt (Quelle: springermedizin.de). Vereinfacht gesagt „schaltet die Psyche ab“ oder trennt belastende Inhalte ab, um die Person vor überwältigendem Stress zu schützen. Häufig stehen traumatische Erlebnisse als Auslöser im Hintergrund: Um unerträgliche Erfahrungen zu bewältigen, spaltet die Psyche Gefühle, Erinnerungen oder sogar Persönlichkeitsanteile ab (Quelle: marienhospital-eickel.de). Typische Symptome dissoziativer Störungen können z.B. Gedächtnislücken, ein Gefühl der Entfremdung von sich selbst oder der Umgebung, oder auch körperliche Lähmungs- oder Krampfanfälle ohne organische Ursache sein.


Der Begriff „dissoziativ“ steht dafür, dass bestimmte psychische Prozesse nicht mehr als Einheit ablaufen, sondern getrennt voneinander auftreten. Betroffene erleben z.B. eine Situation, ohne sie später erinnern zu können, oder sie fühlen sich plötzlich wie nicht real (sich selbst fremd oder die Umgebung unwirklich). Diese Phänomene treten meist unwillkürlich auf und unterscheiden sich von gewöhnlichem „Abschalten“ (etwa Tagträumen). Dissoziative Störungen gehen über normale Erlebnisse hinaus – die Abspaltung wichtiger Inhalte oder Funktionen ist so stark, dass sie das Alltagsleben beeinträchtigen. Oft beginnen solche Störungen als Reaktion auf Trauma oder extremen Stress, beispielsweise Missbrauch, Gewalt oder andere belastende Ereignisse (Quelle: marienhospital-eickel.de). Die Dissoziation dient in diesem Moment als Schutzmechanismus der Psyche: Anstatt den vollen seelischen Schmerz oder die Angst zu spüren, „trennt“ sich ein Teil des Erlebten ab, sodass der*die Betroffene die Situation nur gedämpft oder wie von außen erlebt (Quelle: marienhospital-eickel.de). Kurz gesagt, Dissoziation ist die Notfallstrategie der Psyche, um zu überleben – allerdings kann sie später selbst zum Problem werden, wenn sie in ungefährlichen Situationen weiter auftritt.

Symptome, Anzeichen, Ursachen


Psychologische Ursachen und Hintergründe


Dissoziative Symptome entstehen meist, um seelische Überlastung zu vermeiden. Oft haben Betroffene schwere traumatische Erfahrungen (z.B. körperliche oder sexuelle Gewalt in der Kindheit) erlebt, die sie nicht verarbeiten konnten (Quelle: marienhospital-eickel.de). Dissoziation kann man sich hier als extremes Vermeidungsverhalten vorstellen: Anstatt von unerträglichen Erinnerungen oder Gefühlen überwältigt zu werden, zieht sich die Psyche zurück. Viele Betroffene entwickeln daher auch im Alltag eine Tendenz, belastende Auslöser zu meiden. Die Dissoziation passiert jedoch meist automatisch – etwa wenn ein Trigger (eine Erinnerung an das Trauma) auftaucht, schaltet sich das Bewusstsein ab oder Gefühle werden taub, um den Schmerz nicht erneut zu spüren. Dieser Mechanismus erklärt, warum z.B. jemand mit einer Dissoziation plötzlich wie weggetreten wirkt: Die Psyche „pausiert“ aktiv das Erleben, um sich vor Überforderung zu schützen. Langfristig verhindert dieses Abspalten jedoch, dass die Erlebnisse verarbeitet und integriert werden, und die Symptome können chronisch werden.


Neurologische Grundlagen


Auch im Gehirn lässt sich Dissoziation als eine Unterbrechung der normalen Vernetzung verschiedener Bereiche beobachten. In Extremsituationen kommt es zu einer Kommunikationsstörung im Gehirn, die man als Dissoziation bezeichnet (Quelle: scilogs.spektrum.de). Forschung zeigt, dass bei Betroffenen die Zusammenarbeit zwischen wichtigen Hirnarealen gestört ist (Quelle: posttraumatische-belastungsstoerung.com). Insbesondere die Verbindung zwischen der Amygdala (dem Angst- und Gefühlszentrum), dem Hippocampus (zuständig für Gedächtnis und räumliche/zeitliche Einordnung) und dem präfrontalen Kortex (zuständig für Vernunft und Kontrolle) ist reduziert (Quellen: scilogs.spektrum.deposttraumatische-belastungsstoerung.com). Vereinfacht bedeutet das: Eindrücke und Erinnerungen gelangen zwar in die emotionale Verarbeitung (Amygdala), aber ohne ausreichende Beteiligung der Verstandes- und Gedächtniszentren. Das Großhirn (präfrontaler Cortex) und der Hippocampus sind also weniger aktiv eingebunden, während die Amygdala Alarm schlägt (Quellen: scilogs.spektrum.descilogs.spektrum.de). Diese Entkopplung führt dazu, dass extreme Stresshormone ausgeschüttet werden und Erinnerungen fragmentiert gespeichert werden (Quellen: scilogs.spektrum.descilogs.spektrum.de). So können traumatische Erlebnisse quasi roh und ungeordnet im impliziten Gedächtnis „liegen bleiben“, ohne bewusst verarbeitet zu werden (Quelle: scilogs.spektrum.de). Die Folge: Der Mensch kann sich nicht erinnern (Amnesie), spürt aber trotzdem die emotionale Alarmreaktion auf Trigger weiter. Neurowissenschaftler beschreiben dieses Phänomen als Überaktivität der Amygdala bei gleichzeitiger Unterdrückung des Hippocampus und präfrontalen Cortex (Quellen: scilogs.spektrum.descilogs.spektrum.de). Das erklärt, warum Betroffene einer dissoziativen Störung oft intensiven Stress empfinden, ohne genau zu wissen, warum – das Gehirn hat die Gefühle vom Kontext getrennt. Insgesamt lassen sich dissoziative Zustände also als ein vorübergehendes „Nicht-Zusammenspiel“ der Gehirnregionen verstehen: Das emotionale Gehirn reagiert, während das bewusste, ordnende Gehirn zeitweise offline geht.

Beispiele für Dissoziationen


  • Dissoziative Amnesie: Hierbei kommt es zu Gedächtnisverlust, der über normales Vergessen weit hinausgeht. Betroffene können sich plötzlich nicht an wichtige persönliche Erlebnisse erinnern, oft insbesondere an belastende oder traumatische Ereignisse (Quelle: de.wikipedia.org). Diese Erinnerungslücken treten ohne körperliche Ursache (wie etwa eine Kopfverletzung) auf – sie sind psychisch bedingt. Meist beginnt die Amnesie nach einem Trauma oder starkem Stress (Quelle: de.wikipedia.org). Die verlorenen Erinnerungen können wenige Stunden oder sogar Jahre umfassen. Manche Menschen wissen z.B. nicht mehr, was ihnen zugestoßen ist, oder vergessen ganze Zeitabschnitte ihrer Kindheit. Das Gedächtnisproblem dient unbewusst dazu, das seelische Leiden zu reduzieren, indem das Gehirn das Unerträgliche „ausblendet“. Interessant ist, dass die Erinnerungen oft nicht wirklich gelöscht sind, sondern ins Unbewusste verdrängt – unter Hypnose oder im Laufe einer Therapie können sie manchmal teilweise zurückkehren. Wichtig zu wissen: Bei der dissoziativen Amnesie bleiben Alltagsfähigkeiten intakt; es fehlt „nur“ ein Teil der autobiografischen Erinnerung. Außenstehende merken die Störung oft daran, dass der*die Betroffene verwirrt ist, wenn er/sie sich an einfache Dinge aus der eigenen Vergangenheit nicht erinnert.

  • Dissoziative Fugue: Der Begriff Fugue bedeutet Flucht – und tatsächlich zeichnet sich dieses Störungsbild durch plötzliches Weggehen aus dem vertrauten Lebensumfeld aus (Quelle: de.wikipedia.org). Ein Mensch mit Fugue verlässt z.B. unerwartet sein Zuhause oder seinen Arbeitsplatz und taucht irgendwo anders auf, ohne dass es einen bewussten Reiseplan gibt. Während dieser „Reise“ verhält sich die Person auf den ersten Blick unauffällig, versorgt sich selbst und wirkt orientiert – aber sie hat eine Amnesie bezüglich ihrer früheren Identität und Vergangenheit (Quelle: de.wikipedia.org). Betroffene wissen oft nicht mehr, wer sie sind, wo sie herkommen, und nehmen bisweilen sogar (unbewusst) eine neue Identität an (Quellen: de.wikipedia.orgmarienhospital-eickel.de). Zum Beispiel könnte jemand in einem anderen Ort unter neuem Namen leben und nicht wissen, dass er eigentlich ein anderes Leben hat. Diese neue Identität ist jedoch meist vereinfacht und hält nicht ewig an – die Fugue dauert Stunden bis Monate (Quellen: de.wikipedia.orgmarienhospital-eickel.de). Endet der Fugue-Zustand, „erwachen“ die Betroffenen gewissermaßen wieder als ihr ursprüngliches Selbst und können sich an die Fugue-Phase nicht erinnern. Die ganze Episode dient offenbar der Flucht vor einem als unlösbar empfundenen Konflikt oder Trauma. Für das Umfeld wirkt es natürlich sehr dramatisch, wenn jemand plötzlich verschwindet. Wichtig zu unterscheiden: Das Weglaufen bei einer dissoziativen Fugue geschieht nicht aus Abenteuerlust oder Absicht, sondern unwillkürlich im Zustand der psychischen Abspaltung (Quelle: marienhospital-eickel.de).

  • Depersonalisations-/Derealisationserkrankung: Diese Störung äußert sich durch anhaltende oder wiederkehrende Gefühle der Unwirklichkeit. Dabei gibt es zwei eng verwandte Aspekte: Depersonalisation bedeutet, dass sich die Person selbst als fremd oder entfremdet erlebt – man hat das Gefühl, nicht man selbst zu sein, oder wie ein Beobachter des eigenen Lebens (man „schaut sich von außen zu“) (Quelle: de.wikipedia.org). Betroffene berichten, sie fühlen sich wie „neben sich“, spüren ihren Körper nicht richtig oder hätten kein echtes Ich-Gefühl. Manche haben den Eindruck, wie ein Roboter zu funktionieren oder emotional wie betäubt zu sein (Quelle: marienhospital-eickel.de). Derealisation hingegen betrifft die Umwelt: Die Umgebung erscheint unwirklich oder fern, wie in einem Traum oder „hinter einer Glasscheibe“ (Quelle: marienhospital-eickel.de). Menschen mit Derealisation sagen oft, alles um sie herum komme ihnen leblos, künstlich oder nebelig vor, obwohl sie rational wissen, dass alles normal ist. Beide Phänomene treten oft zusammen auf (daher werden sie als eine kombinierte Störung betrachtet). Wichtig: Obwohl diese Erfahrungen sehr verstörend sein können, bleibt die Realitätsprüfung erhalten – das heißt, Betroffene wissen meist, dass diese Unwirklichkeitsgefühle nur aus ihrem Inneren kommen und dass sie sich in einer irrealen Wahrnehmung befinden. Sie verlieren also nicht den Kontakt zur Realität wie bei Psychosen, sondern fühlen sich emotional getrennt davon. Depersonalisation/Derealisation kann in traumatischen Situationen akut auftreten, aber auch als eigenständiges chronisches Störungsbild, häufig ausgelöst durch Stress, Angststörungen oder traumatische Erlebnisse. Für Außenstehende sind diese Symptome schwer erkennbar, da die Person meist normal reagiert, aber innerlich das Gefühl hat, „nicht richtig da“ zu sein.

  • Dissoziative Identitätsstörung (DIS): Früher als Multiple Persönlichkeitsstörung bekannt, ist dies die schwerste Form der dissoziativen Störungen (Quelle: marienhospital-eickel.de). Dabei kommt es zur Aufspaltung der Persönlichkeit in mehrere unterschiedliche Identitäten oder „Persönlichkeitszustände“ (Quelle: de.wikipedia.org). Diese einzelnen Identitäten (im Deutschen oft „Anteile“ genannt, im Englischen “alters“) können eigene Namen, Erinnerungen, Verhaltensweisen und sogar unterschiedliche Vorlieben oder Fähigkeiten haben (Quelle: marienhospital-eickel.de). Zu unterschiedlichen Zeiten übernimmt jeweils eine dieser Persönlichkeiten die Kontrolle über das Verhalten (Quelle: de.wikipedia.org). Während ein Persönlichkeitsanteil „vorne“ ist, wissen die anderen oft nichts von den aktuellen Ereignissen – daher gibt es Amnesien zwischen den Identitäten. Für Außenstehende wirkt es so, als würde sich die Person zeitweise völlig verändern. Beispielsweise kann ein und derselbe Körper wechselnd als kindliche Persönlichkeit sprechen und spielen, dann als erwachsene Person agieren, später vielleicht als aggressive Persönlichkeit auftreten – mit unterschiedlichem Temperament, Sprache oder sogar körperlichen Reaktionen. Diese Wechsel passieren meist in Reaktion auf Stress oder Trigger, die an das Trauma erinnern, und sie sind nicht willentlich gesteuert. Die dissoziative Identitätsstörung entsteht fast immer infolge schwerster chronischer Traumatisierung in der frühen Kindheit (z.B. wiederholter schwerer Missbrauch), wenn das kindliche Ich keinen anderen Ausweg hat, als sich in verschiedene Teile aufzuspalten, um das Unfassbare wegzustecken (Quelle: marienhospital-eickel.de). Jeder Teil übernimmt dann bestimmte Erinnerungen oder Gefühle, sodass das Gesamt-Ich entlastet wird. Im Erwachsenenalter wird diese Aufteilung jedoch zur Störung, da die Identitäten oft unverbunden nebeneinander existieren. Wichtig: Die verschiedenen Persönlichkeitsanteile einer DIS sind Fragmente ein und derselben Person, auch wenn sie sich subjektiv als eigenständige „Personen“ erleben – es handelt sich nicht um Besessenheit oder Schizophrenie (was Laien manchmal verwechseln), sondern um eine komplexe Form der Dissoziation. Therapie zielt hier darauf ab, die Kommunikation zwischen den Identitäten herzustellen und das Erleben wieder zu integrieren.

  • Dissoziative Krampfanfälle: Diese werden auch psychogene nicht-epileptische Anfälle (PNEA) genannt. Dabei handelt es sich um Anfälle mit krampfartigen Bewegungen, die einem epileptischen Anfall äußerlich sehr ähnlich sehen können, jedoch keinen epileptischen Ursprung haben (Quelle: de.wikipedia.org). Ein Mensch mit dissoziativen Krampfanfällen kann plötzlich zucken, mit Armen oder Beinen schlagen, stürzen oder am ganzen Körper krampfen – jedoch bleibt das Bewusstsein erhalten (Quelle: de.wikipedia.org) (im Gegensatz zum echten epileptischen Anfall, bei dem meist eine Bewusstlosigkeit eintritt). Die Person ist oft in einem veränderten Bewusstseinszustand (Stupor oder Trance) während des Anfalls, reagiert aber nicht normal auf Ansprechen. Typischerweise fehlen bei diesen psychogenen Anfällen bestimmte Merkmale, die bei Epilepsie vorkommen: Zum Beispiel sind Zungenbisse, schwere Verletzungen durch Stürze oder Einnässen während eines Anfalls sehr selten (Quelle: de.wikipedia.org), da der Körper unbewusst doch etwas Kontrolle behält. Nach außen kann es schwierig sein, solche Anfälle von echten epileptischen zu unterscheiden; meist müssen neurologische Untersuchungen (EEG) zeigen, dass keine epileptische Aktivität im Gehirn vorliegt. Ursächlich stehen auch hier psychische Konflikte oder Traumata im Hintergrund – der Anfall ist quasi eine extreme körperliche Ausdrucksform von seelischer Spannung (früher sagte man hierzu auch Konversionsstörung). Für Betroffene sind diese Anfälle erschreckend und belastend, zumal sie oft erst spät die richtige Diagnose erhalten. Wichtig ist, dass dissoziative Krampfanfälle nicht bewusst simuliert sind – die Betroffenen erleben sie als unkontrollierbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die zugrunde liegenden seelischen Ursachen anzugehen und bessere Bewältigungsstrategien zu entwickeln, damit die Anfälle nachlassen.

  • Dissoziative Bewegungsstörung: Darunter versteht man Funktionsstörungen der Motorik (Bewegungsabläufe), die psychisch bedingt sind. Konkret kann es zu Lähmungserscheinungen oder Bewegungsunfähigkeiten kommen, ohne dass eine neurologische Krankheit vorliegt (Quelle: ​

    de.wikipedia.org). Beispielsweise kann ein Arm oder Bein plötzlich wie gelähmt sein, obwohl medizinisch keine Nervenschädigung nachweisbar ist – die Person kann das Körperteil vorübergehend nicht bewegen, obwohl sie es anatomisch könnte. Ebenso zählen Gangstörungen, Zittern oder unkoordiniertes Bewegungen dazu, wenn sie durch Dissoziation entstehen (Quelle: de.wikipedia.org). Ein bekanntes Beispiel sind Fälle, in denen Menschen nach einer seelischen Extremsituation nicht mehr sprechen oder gehen können, obwohl organisch alles in Ordnung ist. Die dissoziative Bewegungsstörung tritt häufig als Reaktion auf akuten Stress oder Trauma auf – die Psyche „schaltet“ gewissermaßen die motorische Funktion ab. Man könnte es sich so vorstellen, dass ein unerlaubter Fluchtreflex oder eine innere Blockade den Körper stoppt. Diese Symptome sind für Betroffene sehr real und oft beängstigend, weil sie denken, sie hätten z.B. einen Schlaganfall – doch alle Tests sind unauffällig. In der Neurologie weiß man, dass ein erheblicher Anteil unerklärlicher Bewegungsstörungen in Wirklichkeit psychogene Ursachen hat (Quelle: de.wikipedia.org). Wichtig zu wissen: Auch wenn keine organische Ursache da ist, sind die Symptome nicht eingebildet. Die Lähmung etwa ist psychisch „wirklich“ hervorgerufen. Mit geeigneter Therapie (z.B. Physiotherapie kombiniert mit Psychotherapie) kann die Bewegungsfähigkeit meist wiederhergestellt werden, sobald die seelischen Konflikte aufgearbeitet sind.
  • Dissoziative Absence: Dieser Begriff bezeichnet kurze Phasen geistiger Abwesenheit, in denen die Person wie eingetrübt oder weggetreten wirkt. Äußerlich ähnelt das einem Absence-Anfall in der Epilepsie (auch Petit-mal-Anfall genannt), bei dem Betroffene ein paar Sekunden ins Leere starren und nicht ansprechbar sind. Die dissoziative Absence hat jedoch keine neurologische Ursache, sondern entsteht psychisch – etwa durch einen momentanen Trigger oder Stress. Betroffene starren plötzlich ins Leere, ihre Augen können glasig werden, und sie reagieren für einige Sekunden oder Minuten nicht auf Ansprache. Bewusstlos werden sie dabei aber nicht (Quelle: de.wikipedia.org); es ist eher ein tranceähnlicher Zustand. Nach einiger Zeit „kommen sie wieder zu sich“ und sind dann oft desorientiert oder erschöpft. Der Unterschied zur epileptischen Absence ist, dass bei letzterer im EEG typische Hirnstrommuster auftreten und sie sehr abrupt (oft nach 5–15 Sekunden) vorbei ist, während die dissoziative Absence eher durch psychische Faktoren ausgelöst wird und unterschiedlich lange dauern kann. Auch psychogene nicht-epileptische Anfälle (PNEA) können Absencen ähneln; man spricht dann von nicht-krampfartigen dissoziativen Anfällen. Der Unterschied ist, dass bei PNEA mit längerer Dauer oft zusätzliche Bewegungen oder dramatischere Symptome auftreten, während die dissoziative Absence meistens nur als Starre/Erstarrung ohne Krampfen in Erscheinung tritt. Man könnte es auch als kurzfristigen dissoziativen Stupor bezeichnen, bei dem der Körper verharrt und die Wahrnehmung abschaltet. Solche Zustände treten oft in hochstressigen Momenten oder bei Überflutung durch Angst auf – die Person „ist dann nicht mehr da“ als eine Form der Flucht. Wichtig ist auch hier die Abklärung durch Fachärzte, um Epilepsie auszuschließen. Wenn klar ist, dass es psychisch bedingt ist, kann durch Psychotherapie und erlernte Grounding-Techniken geholfen werden, schneller aus der Absence zurückzukehren.


Neben den oben genannten gibt es noch weitere seltenere Formen, z.B. dissoziative Sensibilitätsstörungen mit Gefühllosigkeit der Haut oder Blindheit/Taubheit ohne organischen Befund, oder spezielle Phänomene wie das Ganser-Syndrom.

Behandlungsmöglichkeiten


Die gute Nachricht ist: Dissoziative Störungen sind behandelbar. Da ihre Wurzeln meist in traumatischen Erfahrungen und gelernten Bewältigungsmustern liegen, setzt die Behandlung vor allem an der Traumaverarbeitung und der Entwicklung neuer Strategien an. Im Mittelpunkt steht fast immer die Psychotherapie (Quelle: netdoktor.de). Die folgenden Ansätze haben sich dabei als besonders hilfreich erwiesen:


  • Traumatherapeutische Ansätze: Weil hinter dissoziativen Störungen oft ein Trauma steckt, zielt die Therapie darauf ab, dieses behutsam aufzuarbeiten. In speziellen Traumatherapien (z.B. EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing, oder traumaspezifische kognitive Verhaltenstherapie) lernt der/die Betroffene, sich schrittweise mit den verdrängten Erinnerungen auseinanderzusetzen und sie in kleinen Dosen zu verarbeiten. Wichtig ist, dass dies erst geschieht, wenn genügend Stabilität vorhanden ist, damit die Person nicht erneut überwältigt wird (Quelle: marienhospital-eickel.de). Das Trauma wird dann Stück für Stück erinnert, in Worte gefasst und emotional durchgearbeitet – etwa durch Imaginationstechniken, Schreiben, Kunsttherapie oder Gespräche, je nach Methode (Quelle: marienhospital-eickel.de). Ziel ist, dass die abgespaltenen Erfahrungen ins Bewusstsein integriert werden können (Quelle: marienhospital-eickel.de). Indem der Mensch sich der früheren Angst stellt (in einem sicheren therapeutischen Rahmen), verlieren die traumatischen Erinnerungen nach und nach ihren Schrecken. Die Person gewinnt Kontrolle und Abstand zu dem Erlebten zurück (Quelle: marienhospital-eickel.de). Gerade bei der Dissoziativen Identitätsstörung dauert die Traumatherapie oft länger und umfasst die Kommunikation aller Persönlichkeitsanteile, damit das gesamte Ich heilen kann. Insgesamt sind traumatherapeutische Verfahren zentral, um die Ursache der Dissoziation zu behandeln, nicht nur die Symptome.

  • Stabilisierungsmaßnahmen und Psychoedukation: Stabilisierung bedeutet, erst einmal für Sicherheit und Handlungsfähigkeit im Alltag zu sorgen, bevor man ins Eingemachte geht (Quelle: marienhospital-eickel.de). In der ersten Phase der Therapie lernt der/die Betroffene, sich emotional zu stabilisieren – also extreme Anspannung zu reduzieren, Gefühle überhaupt wieder wahrzunehmen und Frühsignale von Dissoziation zu erkennen​ (Quelle: marienhospital-eickel.de). Therapeut/innen vermitteln sogenante Skills (Fertigkeiten), mit denen man sich im Hier und Jetzt halten kann, wenn eine Dissoziation droht. Zudem gehört Psychoedukation dazu: Gleich zu Beginn erklärt der/die Therapeut/in dem Patienten, was eine dissoziative Störung ist und warum die Symptome auftreten (Quelle: marienhospital-eickel.de). Dieses Verständnis ist enorm wichtig – Betroffene erfahren, dass ihre Reaktionen Sinn als Schutzmechanismus ergaben und dass das Wiedererinnern des Traumas Teil der Behandlung sein wird (Quelle: marienhospital-eickel.de). Allein zu wissen, “Ich bin nicht verrückt, mein Gehirn hat mich geschützt”, kann Scham und Angst nehmen. Je nach Art der Symptome können auch körperliche Stabilisierungsmaßnahmen nötig sein – z.B. Krankengymnastik oder Entspannungstechniken, damit jemand mit Lähmung oder Krampfanfällen Vertrauen in den Körper zurückgewinnt​ (Quelle: marienhospital-eickel.de). In manchen Fällen werden kurzfristig Medikamente eingesetzt, um z.B. extreme Angst, Depression oder Schlafstörungen zu lindern, aber es gibt kein “Medikament gegen Dissoziation” an sich – Psychotherapie ist der Kern der Behandlung​ (Quelle: netdoktor.de).

  • Körpertherapie und achtsamkeitsbasierte Methoden: Da Dissoziation oft mit dem Gefühl einhergeht, nicht im Körper zu sein oder sich von der Gegenwart abzulösen, können Körperarbeit und Achtsamkeit sehr hilfreich sein. Techniken wie Yoga, Tai-Chi, Qigong oder einfache Bewegungsübungen helfen, die Körperwahrnehmung zu stärken und ein Gefühl von Kontrolle über den Körper zurückzugeben. Auch physiotherapeutische Übungen oder Tanz-/Bewegungstherapie kommen zum Einsatz, um verspannte Muskeln zu lockern und das Vertrauen in die eigene Motorik wiederherzustellen (wichtig z.B. bei dissoziativen Lähmungen). Achtsamkeitsübungen – etwa Meditation, Atemübungen oder Bodyscan – schulen die Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu bleiben und aufkommende Dissoziationsgefühle frühzeitig zu bemerken​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Durch Achtsamkeit lernt man, unangenehme innere Zustände wahrzunehmen, ohne sofort davon überwältigt zu werden​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Das kann z.B. bedeuten, auftauchende Angst bewusst zu benennen („Ich spüre gerade Angst, aber hier und jetzt bin ich sicher“) anstatt automatisch in die Abspaltung zu gehen. Somatic Experiencing und andere körperorientierte Traumatherapien arbeiten gezielt mit dem Körper, um festgehaltene Reaktionen (Fight/Flight/Freeze) zu lösen – was die Verarbeitung fördert und Dissoziation reduziert. Zusätzlich können kreative Therapien (Kunsttherapie, Musiktherapie) hilfreich sein, um nonverbal Ausdruck für das innere Erleben zu finden, insbesondere wenn Worte fehlen​ (Quelle: marienhospital-eickel.de). Insgesamt gilt: Ein ganzheitlicher Ansatz, der Körper und Geist einbezieht, bietet die besten Chancen, dass Betroffene im wahrsten Sinne des Wortes wieder Boden unter den Füßen gewinnen.


Zusammenfassend besteht die Therapie dissoziativer Störungen oft aus mehreren Phasen​ (Quelle: netdoktor.de): Zuerst Stabilisierung und Aufklärung, dann behutsame Konfrontation mit dem Trauma, und parallel der Aufbau von neuen Fähigkeiten, um mit Stress umzugehen. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit erfahrenen Therapeut/innen, gerade bei komplexen Störungen wie DIS. Auch ein sicheres Umfeld (Therapie in einer Klinik oder Tagesklinik bei Bedarf) trägt zum Erfolg bei. Mit Geduld und Unterstützung können viele Betroffene lernen, die Dissoziation nach und nach überflüssig zu machen – das heißt, die Psyche braucht diesen Schutzmechanismus nicht mehr permanent, sobald andere Bewältigungsstrategien greifen und das Trauma verarbeitet ist.


Selbsthilfestrategien


Neben der professionellen Therapie gibt es praktische Selbsthilfe-Techniken, die Betroffene anwenden können, um sich aus einer akuten Dissoziation herauszuholen oder einer solchen Episode vorzubeugen. Solche Fertigkeiten werden in der Psychotherapie oft als “Skills” vermittelt. Jeder reagiert unterschiedlich, daher muss man ausprobieren, welche Methode am besten wirkt. Ziel aller Techniken ist es, die Person wieder ins Hier und Jetzt zurückzubringen und das Gefühl für den eigenen Körper und die Realität zu verankern.


  • Sensorische Reize setzen: Starke Sinneseindrücke können helfen, die “innere Blase” zu durchbrechen. Zum Beispiel kann man etwas Eiskaltes anfassen (eine Kühlpackung, Eiswürfel, kaltes Wasser über die Hände laufen lassen) – der Kältereiz signalisiert dem Körper hier und jetzt zu sein. Auch intensive Gerüche wecken die Aufmerksamkeit: Riechen an einer Flasche Riechsalz, Ammoniak-Lösung oder auch an ätherischen Ölen (Pfefferminz, Zitrus) kann jemanden schlagartig präsenter machen​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Ähnlich funktioniert ein starker Geschmack: auf einer scharfen Chili oder Ingwerwurzel kauen, ein sehr saures Bonbon lutschen oder Zitronensaft auf der Zunge spüren​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Diese Geschmacksreize “erden” einen, weil der Körper darauf reagiert. Laute Geräusche können ebenfalls eingesetzt werden – z.B. in die Hände klatschen, einen Schlüsselbund auf den Tisch werfen oder Musik mit kräftigem Beat aufdrehen​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Wichtig ist, dass die Reize zwar stark, aber nicht traumatisch sind (also keine triggernden Inhalte). Sie sollen kurz und deutlich signalisieren: “Du bist hier, es ist jetzt, wach auf.” Manche Menschen nutzen auch taktile Reize wie einen Igelball oder ein Gummiband am Handgelenk, das man schnalzen lässt, um einen leichten Schmerzreiz zu erzeugen​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). All diese sensorischen Techniken sollten dosiert angewandt werden – das Ziel ist nicht, sich zu quälen, sondern sich sanft zurückzuholen.

  • Bewegung und körperliche Aktivität: Körperliche Bewegung ist eines der effektivsten Mittel gegen Dissoziation. Durch Bewegung kommt man aus dem erstarrten Zustand heraus und der Kreislauf wird angeregt. Schon einfaches Aufstehen und Umhergehen kann helfen, wenn man merkt, dass man “wegdriftet”. Einige Betroffene finden kräftige Bewegungen hilfreich: z.B. mit den Füßen stampfen, Treppen hoch- und runterlaufen, auf der Stelle joggen oder in die Hände drücken​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Auch Gleichgewichtsübungen (auf einem Bein stehen, balancieren) erfordern Konzentration und holen einen zurück in den Körper​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Wenn möglich, kann man nach draußen gehen und frische Luft schnappen – das ändert die Umgebung und regt die Sinne an. Wichtig ist, die Bewegung bewusst wahrzunehmen: Spüre ich den Boden unter den Füßen beim Gehen? Wie fühlen sich meine Muskeln an? – So verankert man sich im Körper. Manche machen ein paar schnelle Gymnastikübungen oder Yoga-Posen, um die Starre abzuschütteln. Auch achtsame Bewegung wie das bewusste Strecken der Arme, Kreisen der Schultern oder Massieren der Hände kann wirksam sein. Durch Aktivierung des Körpers sendet man dem Gehirn das Signal: “Ich bin in Sicherheit und kann mich bewegen.” Bei einer anderen Person in Dissoziation kann man behutsam versuchen, sie mitzubewegen – etwa sagen “Komm, wir gehen ein paar Schritte” und dabei begleiten. Bewegung hilft außerdem, überschüssige Stressenergie abzubauen, die oft bei Traumareaktionen im Körper festsitzt.

  • Erdungsübungen: Unter Grounding oder Erdung versteht man Techniken, die einen geistig zurück in die gegenwärtige Realität holen. Eine einfache Übung ist die 5-4-3-2-1-Methode: Man nennt (am besten laut) 5 Dinge, die man sehen kann, 4 Dinge, die man hören kann, 3 Dinge, die man spüren kann (Tastsinn, z.B. Kleidung auf der Haut, Füße am Boden), 2 Dinge, die man riechen oder schmecken kann, und 1 Sache, die man an sich selbst positiv findet (oder einfach 1 bewusster Atemzug) – diese Zahlen und Sinne kann man variieren. Durch dieses Durchgehen der Sinneseindrücke wird der Fokus nach außen und ins Hier und Jetzt gelenkt. Auch Orientierungsfragen können erden: Sich selbst fragen (oder fragen lassen) “Welches Datum ist heute? Wo bin ich gerade? Wie spät ist es? Wer ist bei mir?” hilft, die Realität zu verankern. Manche nutzen einen vorbereiteten „Notizzettel“ mit solchen Fakten („Ich heiße …, wir haben Jahr 2025, ich bin in meiner Wohnung, es ist sicher hier.“), den sie im Zweifel lesen. Atmung: Tiefe, bewusste Atemzüge unterstützen das Grounding – z. B. 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen, mehrmals wiederholen, dabei die Hand auf den Bauch legen und die Bewegung spüren. Eine weitere Übung: Den Raum beschreiben, in dem man sich befindet, als würde man jemandem am Telefon erklären, was man sieht („Ich sitze auf einem blauen Sofa, vor mir steht ein Holztisch mit einer Tasse Tee…“). Dadurch lenkt man die Gedanken auf konkrete, gegenwärtige Dinge. All dies sind Möglichkeiten, das Gefühl von “Ich bin hier und jetzt in Sicherheit” zu stärken und die Verbindung zur Realität wieder herzustellen.

  • Kognitive Techniken: Darunter fallen Strategien, die den Verstand aktivieren, um die Dissoziation zu überwinden. Eine Methode ist das laute Sprechen oder Zählen: Zum Beispiel rückwärts von 100 in Siebener-Schritten zählen (100, 93, 86, …) – das erfordert Konzentration und holt den denkenden Teil des Gehirns zurück online. Man kann auch laut die eigenen Schritte zählen beim Gehen oder einfache Mathematikaufgaben machen. Hilfreich ist oft ein innerer Monolog, der einen selbst orientiert: Sich selbst beim Namen nennen und beruhigend zureden („[Name], schau dich um, du bist hier in deinem Wohnzimmer, heute ist Donnerstag, du bist 30 Jahre alt und in Sicherheit.“). Das Realitäts-Checken spielt eine große Rolle​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de) – also bewusst feststellen, was heute anders ist als in der traumatischen Vergangenheit (“Jetzt gerade bin ich erwachsen, nicht mehr das Kind von damals; die gefährliche Situation ist vorbei; ich habe heute Möglichkeiten, mich zu schützen.”). Dadurch wird dem Gehirn signalisiert, dass die alten Angstreaktionen eigentlich nicht mehr nötig sind​ (Quelle: selbst-in-fuehrung.de). Eine weitere Technik ist, sich Fragen zu stellen, die klares Denken erfordern: z.B. „Was habe ich heute schon gemacht, was werde ich als Nächstes tun?“ oder auch etwas Belangloses wie „Wie würde ich einem Freund erklären, was gerade passiert?“. Das zwingt die bewusste Wahrnehmung aus dem Nebel hervor. Manche finden auch rätselhafte oder überraschende Reize kognitiv anregend – z.B. ein Puzzle lösen, ein komplexes Bild betrachten und Details suchen, oder ein Spruchband lesen. Wichtig bei allen kognitiven Techniken ist, geduldig mit sich zu sein – manchmal braucht es ein wenig Zeit, bis der Verstand die Oberhand gewinnt. Aber durch regelmäßiges Üben dieser Strategien fällt es zunehmend leichter, einer Dissoziation gegenzusteuern.


Zum Schluss: Routine und Übung spielen eine große Rolle. Viele Betroffene erstellen sich einen persönlichen „Notfallkoffer mit Hilfsmitteln (z. B. eine Duftöl-Flasche, ein Igelball, eine Checkliste mit Erdungsfragen, vielleicht ein Foto einer sicheren Person oder eines schönen Ortes). Im akuten Fall kann man dann darauf zurückgreifen. Es ist sinnvoll, diese Skills regelmäßig zu trainieren, auch wenn man gerade nicht dissoziiert, damit man im Ernstfall darauf zurückgreifen kann. Angehörige oder Freunde können unterstützen, indem sie ruhig mit der betroffenen Person sprechen, sie anleiten z.B. „Schau mich mal an, kannst du meinen Namen sagen?“, und daran erinnern zu atmen oder einen der oben genannten Reize zu setzen (vorsichtig fragen, bevor man z.B. etwas Kaltes auf die Haut gibt). Mit der Zeit lernen viele Betroffene, Frühwarnzeichen ihrer Dissoziation zu erkennen – etwa ein aufkommendes Gefühl von Nebel im Kopf, Taubheitsgefühle oder Hörverlust – und können dann frühzeitig gegensteuern. Dadurch gelingt es immer besser, im Hier-und-Jetzt verankert zu bleiben. Die Selbsthilfestrategien ersetzen zwar keine Therapie, sind aber ein wichtiges Werkzeug, damit man sich im Alltag selbst stabilisieren kann. Sie geben Betroffenen ein Stück Kontrolle zurück – das Wissen, man ist dem Zustand nicht hilflos ausgeliefert, sondern kann aktiv etwas tun, um wieder „zu sich“ zu kommen. (Quellen: scilogs.spektrum.deposttraumatische-belastungsstoerung.com)