Neurosen (auch neurotische Störungen genannt) sind psychische Störungen, die typischerweise mit starken inneren Konflikten, Ängsten oder Stress einhergehen. Im Gegensatz zu körperlichen Erkrankungen fehlt bei Neurosen eine klare organische Ursache für die Beschwerden (Quelle: privatpraxis-psychotherapie-bonn.de). Betroffene erleben zum Beispiel übermäßige Angst oder Zwangsgedanken, sind sich ihres ungewöhnlichen Zustands aber bewusst – das heißt, sie wissen in der Regel, dass etwas mit ihrem Erleben nicht stimmt (Quelle: privatpraxis-psychotherapie-bonn.de, privatpraxis-psychotherapie-bonn.de). Genau hierin liegt der entscheidende Unterschied zur Psychose: Bei neurotischen Störungen bleibt der Realitätsbezug erhalten, während bei Psychosen oft ein Realitätsverlust auftritt (Quelle: privatpraxis-psychotherapie-bonn.de). Eine Person mit einer Spinnenphobie (Angst vor Spinnen) weiß beispielsweise, dass ihre heftige Angst objektiv unbegründet ist, kann sie aber trotzdem kaum kontrollieren (Quelle: onmeda.de).
Der Begriff Neurose hat eine lange Geschichte in der Psychologie. Geprägt wurde er unter anderem von Sigmund Freud, der damit seelische Konflikte und deren Auswirkungen bezeichnete (Quelle: onmeda.de). In der modernen Psychiatrie und Diagnostik wird der Begriff heute jedoch kaum noch als offizielle Diagnose verwendet (Quelle: onmeda.de). Stattdessen spricht man konkreter von Angststörungen, Zwangsstörungen oder somatoformen Störungen. Die Bezeichnung Neurose wird aber umgangssprachlich und in der älteren Literatur weiterhin genutzt, um diese neurotischen Krankheitsbilder zusammenzufassen. Insgesamt lassen sich Neurosen als weniger schwere psychische Störungen einordnen, die zwar erhebliches Leid verursachen können, aber *kein vollständiges Abgleiten aus der Realität bewirken – die Persönlichkeit bleibt intakt und der Betroffene ist therapiefähig.
Was ist eine Neurose genau? – Neurosen umfassen eine Gruppe von psychischen Erkrankungen, bei denen die Stressbewältigung der Psyche überlastet ist. Die Symptome können sehr unterschiedlich ausfallen, haben aber gemeinsam, dass sie das seelische Gleichgewicht stören und für die Person einen Leidensdruck erzeugen. Typischerweise treten Ängste, Zwänge oder körperliche Beschwerden (ohne organischen Befund) auf. Oft werden Neurosen auch als funktionelle Störungen bezeichnet, da Körperfunktionen beeinträchtigt sein können (z.B. Herzklopfen, Atemnot, Magen-Darm-Probleme) ohne dass eine körperliche Krankheit vorliegt (Quelle: onmeda.de). Wichtig ist: Die betroffene Person behält Einsicht in die eigene Problematik. Sie erkennt meist, dass ihre Reaktionen übertrieben oder unbegründet sind, kann sie aber trotzdem nicht einfach abstellen. Dieses Phänomen bezeichnet man als Ich-Dystonie – Gedanken oder Handlungen werden als fremd und störend empfunden (Quelle: flexikon.doccheck.com). Ich-Syntonie dagegen bedeutet, dass jemand seine Gefühle und Verhaltensweisen als zu sich gehörig erlebt und nicht als problematisch wahrnimmt (Quelle: flexikon.doccheck.com). Neurotische Symptome sind in der Regel ich-dyston: Der/Die Betroffene erlebt z.B. Angstattacken oder Zwangshandlungen als quälend und nicht zu seiner/ihrer eigentlichen Persönlichkeit passend, was den Wunsch verstärkt, diese loszuwerden. Bei manchen anderen psychischen Störungen (etwa bestimmten Persönlichkeitsstörungen) herrscht hingegen Ich-Syntonie vor – dort empfinden die Betroffenen ihr ungewöhnliches Verhalten als normal für sich und haben daher oft weniger Krankheitsgefühl.
Neurotische Störungen können sich auf vielfältige Weise äußern. Häufig treten Kombinationen der folgenden Symptome auf:
Warum entwickelt jemand eine Neurose? Hier spielen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen kann die Persönlichkeitsstruktur eine Rolle spielen – Menschen, die sehr sensibel sind, nur schlecht Frustration ertragen oder zu Perfektionismus neigen, haben ein höheres Risiko, neurotische Störungen zu entwickeln (Quelle: privatpraxis-psychotherapie-bonn.de). Zum anderen wirken oft Stress und belastende Lebenssituationen als Auslöser. Traumatische Erfahrungen (etwa in der Kindheit) oder chronischer Stress können die seelische Belastungsgrenze überschreiten und neurotische Symptome hervorrufen (Quelle: onmeda.de).
Auch psychologische Erklärungsmodelle bieten Ansätze: Tiefenpsychologische und psychoanalytische Theorien (nach Freud) führen Neurosen auf unbewusste innere Konflikte zurück. Nicht verarbeitete Erlebnisse und verdrängte Gefühle – zum Beispiel Ängste oder Schwierigkeiten in der frühen Kindheit – schlummern im Unbewussten und äußern sich später in neurotischen Symptomen (Quelle: onmeda.de). Ein klassisches Beispiel ist die Angstneurose: Freud sah hier unbewusste sexuelle Konflikte als Ursache, die sich in Angstzuständen entladen. Moderne lerntheoretische Ansätze betrachten neurotische Verhaltensmuster dagegen als erlernt: Durch bestimmte Erfahrungen entwickelt eine Person Strategien (etwa Vermeidungsverhalten bei Angst), die kurzfristig entlasten, langfristig aber unangepasst sind und die Störung aufrechterhalten (Quelle: de.wikipedia.org). In der Realität entsteht eine Neurose meist durch ein Zusammenspiel von Veranlagung und Umfeld: Genetische Faktoren können eine gewisse Verwundbarkeit (Vulnerabilität) mitbringen, und belastende Umstände oder Erziehungen prägen dann, wie jemand mit Angst und Konflikten umgeht. Wichtig zu betonen ist, dass neurotische Störungen niemandes "Schuld" sind – weder die der Betroffenen noch die der Eltern. Vielmehr handelt es sich um psychische Reaktionsmuster, die sich oft über Jahre entwickelt haben.
Neurosen umfassen verschiedene häufige Störungsbilder im Bereich der Angst- und Zwangserkrankungen sowie psychosomatische Beschwerden. Im Folgenden werden vier wichtige Beispiele neurotischer Störungen vorgestellt – jeweils mit einer kurzen Beschreibung der typischen Merkmale:
Die gute Nachricht ist: Neurotische Störungen sind behandelbar, und die meisten Betroffenen können mit professioneller Hilfe deutliche Verbesserungen erreichen. Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Art und Schwere der jeweiligen Störung ab (Quelle: onmeda.de). Generell kommen zwei große Ansätze zum Einsatz – Psychotherapie und psychiatrische Medikamente – die oft miteinander kombiniert werden (Quelle: onmeda.de):
Fazit: Neurosen mögen sich in vielgestaltigen Symptomen äußern – von Panik über Zwang bis hin zu körperlichen Beschwerden – doch sie folgen oft einem ähnlichen Muster innerer Konflikte und Ängste. Für die Betroffenen sind diese Probleme sehr real und belastend, aber es gibt effektive Hilfe. Mit psychotherapeutischer Unterstützung, bei Bedarf ergänzt durch Medikamente, lassen sich neurotische Störungen gut behandeln. Leser/innen ohne fachlichen Hintergrund sollten nun ein klareres Bild davon haben, was Neurosen sind: nämlich ernstzunehmende, aber behandelbare psychische Störungen, bei denen man bei vollem Bewusstsein gegen innere Schwierigkeiten ankämpft. Wer den Verdacht hat, selbst unter einer Neurose (etwa einer Angst- oder Zwangsstörung) zu leiden, sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche, und Neurosen kann man überwinden.
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