Eine Psychose ist ein schwerwiegender Zustand, bei dem Menschen den Bezug zur Realität verlieren. Betroffene nehmen ihre Umgebung verzerrt wahr und können zum Beispiel Stimmen hören, die nicht real sind, oder Dinge sehen, die andere nicht wahrnehmen. Häufig entwickeln sie Wahnvorstellungen – feste Überzeugungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Ein klassisches Beispiel ist Verfolgungswahn: die unbegründete Angst, ständig beobachtet oder bedroht zu werden. Durch solche Halluzinationen und Wahnideen verliert der Betroffene vorübergehend den Realitätsbezug.
Der Begriff Psychose dient als Sammelbezeichnung für verschiedene psychische Störungen mit diesen Merkmalen. Psychotische Episoden können vorübergehend auftreten oder länger anhalten. Schätzungsweise 3–4 % der Bevölkerung erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Psychose (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Oft treten erste Psychosen im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter auf (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Psychosen können ganz unterschiedlich aussehen – keine Erfahrung gleicht exakt der anderen. Allen gemeinsam ist jedoch, dass Denken, Wahrnehmung, Fühlen und Handeln stark beeinträchtigt sind. Die gute Nachricht: Psychosen sind heute behandelbar. Insbesondere die häufigste Form, die Schizophrenie, kann mit modernen Therapien erfolgreich behandelt werden, sodass viele Betroffene wieder weitgehend stabil leben können.
Was genau ist eine Psychose? Aus fachlicher Sicht bezeichnet Psychose einen Symptomkomplex aus Halluzinationen, Wahn und Realitätsverlust (Quelle: de.wikipedia.org). Das heißt, jemand mit einer Psychose nimmt die Realität verändert wahr oder verarbeitet sie ungewöhnlich (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Oft wissen Betroffene selbst nicht, dass ihre Eindrücke falsch sind – für sie fühlen sich die Erlebnisse echt an. Psychosen sind kein Zeichen von „Schwäche“ oder schlechter Persönlichkeit, sondern Ausdruck einer ernsthaften psychischen Störung. Wichtig zu wissen: Psychose ist keine eigene klare Krankheit, sondern tritt im Rahmen verschiedener Erkrankungen auf. Welche Krankheit genau vorliegt (z.B. Schizophrenie oder Depression mit Psychose), muss durch ärztliche Diagnostik sorgfältig festgestellt werden (Quelle: de.wikipedia.org). Auch wenn eine Psychose beängstigend wirken kann, sind professionelle Hilfe und Verständnis der Angehörigen entscheidend, da die Betroffenen oft selbst ihre veränderte Wahrnehmung nicht einordnen können.
Eine Psychose bahnt sich oft schleichend an. Schon Wochen oder Monate vor dem ersten schweren Schub können Vorboten auftreten. Typische Frühwarnzeichen sind zum Beispiel sozialer Rückzug, Leistungsabfall in Schule oder Beruf, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, ungewöhnliche Wahrnehmungen oder eine generelle Wesensveränderung. Betroffene wirken vielleicht plötzlich deutlich niedergeschlagener (depressive Verstimmung), gereizter oder haben starke innere Unruhe. Einzelne dieser Anzeichen können viele Ursachen haben – nicht jedes Anzeichen bedeutet gleich eine kommende Psychose. Häufen sich solche Veränderungen jedoch oder erscheinen sie ungewöhnlich ausgeprägt, sollten Angehörige oder Freunde aufmerksam werden. Eine frühzeitige Einschätzung durch einen Facharzt (z.B. in einer Früherkennungsstelle) kann helfen, eine beginnende Psychose früh zu erkennen. Je eher eine Psychose behandelt wird, desto besser sind in der Regel die Möglichkeiten, sie in den Griff zu bekommen.
Psychosen haben vielschichtige Ursachen. Es gibt nicht den einen Grund; meist spielen mehrere Faktoren zusammen. Grob lässt sich unterscheiden zwischen primären Psychosen – ohne nachweisbare körperliche Ursache – und sekundären Psychosen, die durch äußere Einflüsse oder Erkrankungen hervorgerufen werden (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Hier ein Überblick möglicher Ursachen und Auslösefaktoren:
Oft lässt sich kein einzelner Auslöser festnageln – am wahrscheinlichsten ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren (Quelle: innovativemedicine.jnj.com). Genetische Anlage kann beispielsweise mit einem belastenden Umfeld und gelegentlichem Drogenkonsum zusammentreffen und so die Schwelle zur Psychose überschreiten. Die häufigste Form der primären (nicht-organischen) Psychose ist die Schizophrenie (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Daneben gibt es weitere Krankheitsbilder im sogenannten Schizophrenie-Spektrum sowie affektive Störungen (Depression, Bipolare Störung), die psychotische Episoden beinhalten können (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Welche konkrete Diagnose vorliegt, hängt von den vorherrschenden Symptomen, ihrem Verlauf und eventuellen Auslösern ab – dies muss individuell durch Fachärzte geklärt werden. Unabhängig von der Ursache gilt: Psychosen sind ernstzunehmen, aber es gibt wirksame Behandlungen, auf die wir im Folgenden eingehen.
Psychotische Symptome treten bei verschiedenen psychischen Erkrankungen auf. Im Folgenden stellen wir einige häufige Psychosen bzw. psychotische Störungsbilder vor, um ein besseres Bild dieser Vielfalt zu geben:
Wenn von Psychosen die Rede ist, denken viele zuerst an Schizophrenie. Tatsächlich ist Schizophrenie die bekannteste und häufigste Psychose. Es handelt sich um eine chronische psychische Erkrankung, die typischerweise in Schüben verläuft. In akuten Phasen erleben Betroffene ausgeprägte Halluzinationen und Wahnvorstellungen – etwa Stimmen, die Befehle erteilen, oder paranoide Überzeugungen, verfolgt zu werden. Diese akute Symptomatik nennt man auch Positivsymptomatik, weil etwas „hinzukommt“, was Gesunde nicht erleben (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Zwischen akuten Schüben oder in der Langzeitphase treten oft sogenannte Negativsymptome auf: die Gefühlswelt verflacht, Betroffene ziehen sich zurück, denken verlangsamt und haben weniger Antrieb (Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz.org). Schizophrenie beginnt meist im frühen Erwachsenenalter (häufig zwischen Pubertät und 30. Lebensjahr) (Quelle: innovativemedicine.jnj.com). Ungefähr 1 % der Weltbevölkerung erleidet mindestens einmal im Leben eine schizophrene Episode (Quelle: innovativemedicine.jnj.com). Wichtig: Schizophrenie ist keine "gespaltene Persönlichkeit" – dieses Vorurteil ist weit verbreitet, aber falsch (Quelle: innovativemedicine.jnj.com). Vielmehr bedeutet Schizophrenie, dass Denken, Fühlen und Wahrnehmung tiefgreifend gestört sind (Quelle: innovativemedicine.jnj.com). Die Krankheit verläuft bei jedem individuell; manche haben nur wenige Episoden im Leben, andere müssen lernen, mit längeren Beeinträchtigungen umzugehen. Mit Behandlung lässt sich Schizophrenie jedoch in vielen Fällen gut kontrollieren, sodass Betroffene ein stabiles Leben führen können.
Die schizoaffektive Störung stellt eine Art Mischform dar. Bei diesem Krankheitsbild vereinen sich Symptome der Schizophrenie und der affektiven Störungen (Gemütskrankheiten) (Quelle: de.wikipedia.org). Das bedeutet: Betroffene erleben sowohl psychotische Symptome (wie Wahn oder Halluzinationen) als auch Stimmungsschwankungen im krankhaften Ausmaß. Letzteres können depressive Episoden sein (tiefe Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit) oder manische Episoden (extreme Hochstimmung, Rastlosigkeit) – oder abwechselnd beides. Typisch für schizoaffektive Störungen ist, dass Wahn und Halluzinationen gemeinsam mit starken Stimmungsveränderungen auftreten (Quelle: de.wikipedia.org). Ein Patient könnte zum Beispiel in einer depressiven Phase glauben, beobachtet oder verfolgt zu werden, oder in einer manischen Phase überzeugt sein, besondere Kräfte zu haben. Schizoaffektive Störungen verlaufen oft in Phasen: Es wechseln sich Episoden mit vorherrschenden Psychose-Symptomen und Episoden mit affektiven (Stimmungs-)Symptomen ab (Quelle: de.wikipedia.org). Zwischen den akuten Phasen können beschwerdeärmere Intervalle liegen. Insgesamt ist die Prognose einer schizoaffektiven Störung tendenziell etwas günstiger als bei einer rein schizophrenen Erkrankung (Quelle: de.wikipedia.org), da die Erkrankung oft besser auf Therapie anspricht. Die Behandlung richtet sich an beiden Aspekten aus – also antipsychotische Medikamente kombiniert mit stimmungsstabilisierenden oder antidepressiven Therapien.
Unter drogeninduzierter Psychose versteht man psychotische Symptome, die durch psychoaktive Substanzen ausgelöst werden (Quelle: de.wikipedia.org). Solche Psychosen gehören zu den sekundären Psychosen, da ein äußerer Auslöser – nämlich eine Droge oder ein Medikament – zugrunde liegt. Drogenpsychosen können durch verschiedene Substanzen hervorgerufen werden, zum Beispiel Cannabis (THC), Amphetamine (Speed, Crystal Meth), Kokain, LSD oder andere Halluzinogene, teilweise auch durch sehr hohen Alkoholkonsum (Quelle: de.wikipedia.org). Die Symptome hängen vom Stoff ab, ähneln aber oft einer akuten Schizophrenie: Die Betroffenen können intensiven Halluzinationen haben (etwa durch LSD), paranoide Wahnideen entwickeln (z.B. durch Amphetamine oder Cannabis) oder schwere Denkstörungen und Verwirrtheit zeigen. Zeitlich treten drogeninduzierte Psychosen meist kurz nach dem Konsum oder beim Abklingen der Substanzwirkung auf. Manche Rauschdrogen, insbesondere Halluzinogene, können bereits beim einmaligen Konsum psychotische Schübe auslösen (Quelle: de.wikipedia.org). In vielen Fällen klingt die Psychose nach Abklingen der Drogenwirkung und mit Behandlung wieder ab. Allerdings kann der Substanzkonsum auch eine latente Psychose zum Vorschein bringen – das heißt, jemand, der eine Veranlagung hatte, kann durch die Droge dauerhaft erkranken. Es gibt Fälle, in denen drogeninduzierte Psychosen nicht vollständig ausheilen, selbst wenn die Person abstinent bleibt (Quelle: de.wikipedia.org). Daher ist Vorsicht geboten: wer zu Psychosen neigt (oder familiäre Vorbelastungen hat), sollte bewusst auf Drogen verzichten. Die Therapie einer Drogenpsychose besteht vor allem darin, die auslösende Substanz konsequent zu meiden und – wie bei anderen Psychosen – mit Medikamenten und Psychotherapie die Symptome zu behandeln.
(Hinweis: Neben den oben genannten gibt es weitere psychotische Störungen. Zum Beispiel kann auch eine schwere Depression mit Wahnideen einhergehen, oder eine bipolare Störung kann in manischen Phasen psychotische Symptome zeigen (Quelle: de.wikipedia.org). Diese werden jedoch üblicherweise den affektiven Störungen zugeordnet. Die häufigsten eigenständigen Psychosen bleiben Schizophrenie, schizoaffektive Störung und substanzinduzierte Psychosen.)
Eine Psychose kann zwar sehr belastend sein, doch es gibt heute gute Behandlungsmöglichkeiten. In der Regel wird eine Kombination aus medikamentöser Therapie (psychiatrisch) und psychotherapeutischer Unterstützung angewandt (Quelle: de.wikipedia.org). Welche Maßnahmen im Einzelfall passend sind, hängt von der Ursache und Schwere der Psychose ab. Wichtig ist, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen – je schneller mit der Therapie begonnen wird, desto besser lassen sich die Symptome in den Griff bekommen.
Medikamentöse Behandlung (Psychiatrie): Grundpfeiler der Akutbehandlung sind Antipsychotika, früher auch Neuroleptika genannt. Diese Medikamente reduzieren Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Unruhe, indem sie in das Dopamin-System und andere Botenstoffe im Gehirn eingreifen. Seit den 1950er Jahren hat sich die Gabe von Antipsychotika als Standardtherapie bei akuten Psychosen etabliert (Quelle: de.wikipedia.org). Moderne Antipsychotika (sog. atypische) sind besser verträglich als ältere Präparate, doch alle haben mögliche Nebenwirkungen, weshalb die Behandlung eng durch einen Facharzt für Psychiatrie begleitet werden sollte. Oft ist es nötig, die Dosis individuell anzupassen oder verschiedene Präparate auszuprobieren, bis eine gute Wirkung erreicht wird (Quelle: de.wikipedia.org). Zusätzlich zu Antipsychotika können je nach Bedarf weitere Medikamente eingesetzt werden: Beruhigungsmittel (Tranquilizer) bei starker Angst oder Erregtheit, Antidepressiva bei depressiven Symptomen oder Phasenprophylaktika (wie Lithium oder bestimmte Antiepileptika) bei bipolarer oder schizoaffektiver Störung (Quelle: de.wikipedia.org). Bei akut schwerer Psychose, wenn z.B. eine Selbst- oder Fremdgefährdung besteht, kann zeitweilig eine stationäre Behandlung in einer Klinik nötig sein, um den Patienten zu schützen und die Medikation einzustellen. Wichtig zu wissen: Medikamente heilen die Grunderkrankung nicht, aber sie lindern die Symptome und verhindern Rückfälle, solange sie eingenommen werden (Quelle: de.wikipedia.org). Viele Betroffene nehmen daher über längere Zeit oder dauerhaft eine niedrige Dosis ein (sogenannte Erhaltungstherapie), um stabil zu bleiben.
Psychotherapeutische und psychosoziale Therapien: Psychotherapie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung, insbesondere nachdem die akuten Symptome durch Medikamente abgeklungen sind (Quelle: de.wikipedia.org). In einer kognitiven Verhaltenstherapie lernen Patienten zum Beispiel, mit Stimmen oder Wahnideen umzugehen – sie hinterfragen die Realität der Wahrnehmungen und entwickeln Strategien, sich nicht von den Symptomen beherrschen zu lassen. Auch können Auslöser und Stressfaktoren identifiziert werden, um Rückfällen vorzubeugen. Neben der Einzeltherapie hat sich die Familien- und Psychoedukation bewährt: Dabei werden Angehörige über die Erkrankung informiert und gemeinsam mit dem Betroffenen darin geschult, Warnzeichen früh zu erkennen und konstruktiv damit umzugehen. Die Unterstützung des sozialen Umfelds kann die Prognose deutlich verbessern. Zudem helfen Selbsthilfegruppen oder betreute Wohnformen vielen Menschen, sich auszutauschen und den Alltag besser zu bewältigen. Ein weiterer Baustein ist die Soziotherapie bzw. Rehabilitation: Hier geht es darum, den Betroffenen schrittweise wieder in das tägliche Leben zu integrieren (Quelle: de.wikipedia.org). Sozialarbeiter, Ergotherapeuten und spezielle Förderprogramme unterstützen z.B. beim Training sozialer Fähigkeiten, beim (Wieder-)Einstieg in Arbeit oder Ausbildung und beim Umgang mit praktischen Anforderungen des Alltags. Diese ganzheitliche Betreuung stellt sicher, dass nicht nur die akuten Symptome behandelt werden, sondern auch die langfristige Lebensqualität verbessert wird (Quelle: de.wikipedia.org).
Behandlung der Ursache: Bei sekundären Psychosen richtet sich die Therapie maßgeblich nach der auslösenden Ursache (Quelle: de.wikipedia.org). Wenn die Psychose durch eine körperliche Erkrankung hervorgerufen wurde (z.B. eine Entzündung oder ein hormonelles Problem), steht die Behandlung dieser Grunderkrankung an erster Stelle (Quelle: de.wikipedia.org). Ist Drogenkonsum der Auslöser, muss konsequent Abstinenz gehalten und eventuell eine Suchttherapie durchgeführt werden. In solchen Fällen können die psychotischen Symptome oft ganz verschwinden, sobald das auslösende Agens beseitigt ist – vorausgesetzt, es liegen nicht noch andere Faktoren vor. Trotzdem werden auch hier begleitend Antipsychotika eingesetzt, um die akuten Beschwerden zu lindern, und psychotherapeutische Hilfe angeboten, um Rückfälle (etwa erneuten Drogenkonsum) zu verhindern.
Zusammenfassend gilt: Psychosen lassen sich behandeln, und zwar meist mit einer Kombination aus Medikamenten und Therapie (Quelle: de.wikipedia.org). Die genaue Therapieplanung erfolgt immer individuell. Manche Betroffene sind nach einer einmaligen psychotischen Episode und Behandlung jahrelang oder dauerhaft beschwerdefrei. Andere benötigen eine längerfristige Unterstützung und Medikamenteneinnahme, um Stabilität zu erreichen – ähnlich wie bei einer chronischen körperlichen Krankheit. Wichtig ist, dass Psychose-Patienten und ihr Umfeld über die Erkrankung Bescheid wissen und gemeinsam mit den Behandlern an einem Strang ziehen. Mit der richtigen Hilfe können viele Menschen mit Psychosen ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen. Die Zeiten, in denen eine Psychose ein „Urteil“ für immer war, sind vorbei – heute stehen vielfältige Wege offen, die Realität wieder zurückzugewinnen und die psychische Gesundheit zu stärken.
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